Arbeitsmarkt – Quo vadis

Die Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt gehen in Richtung Flexibilisierung und höherer Eigenverantwortung der Beschäftigten. Die Zahl der atypischen Beschäftigungsverhältnisse steigt. Von den unselbständig Beschäftigten wird immer stärker unternehmerisches Denken und Handeln eingefordert. Für die berufliche Weiterbildung bedeutet das: Fachwissen, Soft Skills und Selbstvermarktung müssen geschult werden.

Atypische Beschäftigungsverhältnisse nehmen zu

Befristungen, Leiharbeit, Werkverträge/freie Mitarbeit, Teilzeitarbeit - die atypischen Beschäftigungsverhältnisse verzeichnen einen starken Anstieg. Die Unternehmen zeigen sich mit dieser Entwicklung naturgemäß zufrieden, sie können im harten, globalen Wettbewerb flexibler agieren und reagieren. Die Arbeitnehmervertreter hingegen warnen vor einer unkontrollierten Hire&Fire-Mentalität bei der die ArbeitnehmerInnen auf dem kürzeren Ast sitzen. Allerdings räumen auch sie ein, dass die atypischen Beschäftigungsverhältnisse für viele Arbeitslose die einzige Chance sind, den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben zu schaffen. Die "neuen Selbstständigen" bewerten die Vor- und Nachteile ihrer Situation differenziert. Auf der einen Seite beklagen sie mangelnde Sicherheit, auf der anderen Seite schätzen sie die höhere persönliche Freiheit und Selbstverantwortung. Insgesamt hat sich das Selbstbild dieser Gruppe positiv entwickelt, wie eine Studie zeigt. Generell gilt: Wer gut ausgebildet ist, hat bessere Karten auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft. Ebenfalls stark im Steigen sind Teilzeitarbeitsverhältnisse. Hier zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Vielfach wird der Mangel an Teilzeitmöglichkeiten beklagt, obwohl bereits ein Viertel der heimischen Beschäftigten nicht vollzeitbeschäftigt ist. Andere Teilzeitbeschäftigte wünschen sich eine volle Beschäftigung, leider vergebens.

Fakten zur Zeitarbeit

Laut einer Studie der Karmasin Motivforschung vom Herbst 2008 waren in Österreich von rund 3,5 Millionen unselbstständig Erwerbstätigen 80.000 - 85.000 als ZeitarbeiterInnen tätig. Auch wenn dieser Anteil mit 2 Prozent im internationalen Vergleich eher gering ist - in Großbritannien sind es 5 Prozent - so steigt die Zahl auch hierzulande sukzessive an. Die durchschnittliche Dauer der Zeitarbeitsverhältnisse beträgt 16 Monate. Jedes fünfte Leiharbeitsverhältnis mündet in eine fixe Anstellung. Die Chance auf eine Fixanstellung wird von den Betroffenen als größter Vorteil angesehen. Ebenfalls positiv wird vor allem von jüngeren LeiharbeiterInnen die Chance bewertet, neue Aufgaben, Branchen und Firmen kennenlernen zu können. Als Wermutstropfen gelten fehlende Strukturen bei den Firmen sowie die schlechte Bezahlung. Der Kollektivvertrag für LeiharbeiterInnen orientiert sich am Kollektivvertrag für MetallarbeiterInnen. Arbeiten die LeiharbeiterInnen in einer Branche mit einem besseren Kollektivvertrag hat, so kommt dieser zur Anwendung.

Auch bei regulären Arbeitsverhältnissen wird die Flexibilität immer wichtiger

Die durchschnittliche Dauer von Dienstverhältnissen befindet sich im stetigen Sinkflug. Auch bei fixen Arbeitsverhältnissen ist ein Trend feststellbar, der von den MitarbeiterInnen eine höhere Flexibilität verlangt: Projektarbeit gewinnt an Bedeutung, mit der Konsequenz, dass von den Beschäftigten höhere Eigenverantwortung und mehr Selbstständigkeit eingefordert wird. Brave Befehlsempfänger, die unkritisch tun, was man ihnen anschafft, sind immer weniger gefragt. Engagierten MitarbeiterInnen, die auch unternehmerisch zu denken in der Lage sind, gehört die Zukunft. Die "Stechuhr", kritische Metapher für mangelndes Engagement von MitarbeiterInnenn, verliert symbolisch und praktisch an Bedeutung. Arbeit erledigen, statt Zeit abzuarbeiten wird verlangt. Für Führungskräfte bedeutet das aber auch, dass sie sich mit den Ideen der MitarbeiterInnen auseinandersetzen müssen.

Konsequenzen für die berufliche Weiterbildung: Mehr Fachwissen, Soft Skills und Selbstvermarktung

Der Trend zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die immer wichtiger werdende Selbstverantwortung auch bei fixen Beschäftigungsverhältnissen hat Konsequenzen für die Aus- und Weiterbildung. Drei zentrale Forderungen lassen sich ableiten:

1. Fachwissen muss permanent "upgedatet" werden.

Angesichts des rasanten Wandels in der globalisierten Wirtschaft, ist es notwendig, fachspezifisches Know-how über Technologien, Verfahren, rechtliche Rahmenbedingungen etc. immer aktuell zu halten. Wer den Anschluss verliert, verliert oft auch den Job.

2. Sowohl atypisch als auch typisch Beschäftigte müssen ihre "social skills" verbessern.

Die Beziehungen zu Kooperationspartnern, Auftraggebern und Mitarbeitern wechseln immer häufiger und müssen professionalisiert werden. Wie wickelt man Projekte mit anderen effizient ab? Wie erreicht man Ziele? Wie managt man Zeit und Termine? Wie verhandelt man erfolgreich, etc.? - Das alles muss gelernt werden.

3. Methoden der Selbstvermarktung zu beherrschen wird immer wichtiger.

Das gilt für die "neuen Selbstständigen", die ihre Dienste anbieten genauso wie für unselbstständig Erwerbstätige, die sich angesichts des Trends zu kürzer werdenden Dienstverhältnissen häufiger auf dem Arbeitsmarkt bewerben werden müssen.