Hochkonjunktur für die Bildung

Wie befürchtet schlägt die Finanz- und Wirtschaftskrise voll auf den Arbeitsmarkt durch. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit werden in den nächsten Monaten stark steigen. die Berater® sind sich mit den meisten ExpertInnen einig: Weiterbildung ist jetzt besonders wichtig.

Arbeitslosigkeit: Österreich besser als der EU-Durchschnitt

Die Konjunktur trübt sich immer stärker ein. Laufend werden die Prognosen nach unten revidiert. Sagte das IHS noch im Dezember 2008 für 2009 ein Schrumpfen der heimischen Wirtschaft um 0,1 Prozent voraus, so wies die EU-Kommission nur einen Monat später ein Minus von 1,2 Prozent aus. Die Wirtschaftsleistung in der Eurozone soll gar um 1,9 Prozent einbrechen. 2010 sollte dann wieder ein schwaches Wachstum zu verzeichnen sein. Für den Arbeitsmarkt sieht es noch trister aus. In der Eurozone wird demnach die Arbeitslosenrate von 7,5 Prozent im Jahr 2008 auf 10,2 Prozent im Jahr 2010 hochschnellen. In Österreich wird sie von 4,1 Prozent (2008) auf 5,1 Prozent (2009) und 6,1 Prozent (2010) steigen. Es kann sogar noch schlimmer kommen, denn derzeit geben sich viele Unternehmen kämpferisch und wollen ihre Arbeitskräfte - unter tatkräftiger finanzieller Hilfe des AMS - behalten. Überstunden und Urlaubstage werden abgebaut. Die Kurzarbeit boomt.

EU-MinisterInnen betonen die Bedeutung der Weiterbildung

Die EU-Kommission zeigt sich entschlossen, Maßnahmen gegen die drohende Massenarbeitslosigkeit und die daraus resultierenden sozialen Probleme zu ergreifen. Im Dezember 2008 beim EU-Ministerrat rief der Ratsvorsitzende und französische Ressortchef Xavier Bertrand seine Amtskollegen zu raschem Handeln auf. Sozialminister Hundsdorfer forderte Transferleistungen zu den BezieherInnen kleiner und kleinster Einkommen, da diese den stärksten Nachfrageeffekt hätten. Die deutsche Bundesregierung beabsichtigt - wie für den Finanzsektor - einen „Schutzschirm über den Arbeitsmarkt“ zu spannen. Einig waren sich die FachministerInnen in der Einschätzung, dass Weiterbildung jetzt besonders wichtig sei.

In die Bildungskraftkammer

die Berater®, eines der führenden Consultingunternehmen für Weiterbildung in Österreich, fordern, die ArbeitnehmerInnen in Zeiten von Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit verstärkt in die "Bildungskraftkammer" zu schicken. „Natürlich steht das Update von Know-how im Vordergrund, aber es gibt viele Argumente, die für breit angelegte Bildungsoffensiven sprechen. Investitionen in die Bildung signalisieren Wertschätzung und gerade in Krisenzeiten darf das psychologische Moment nicht unterschätzt werden.“, so Mag. Martin Röhsner, Geschäftsführer von die Berater®. Sein Stellvertreter und HR-Manager, Mag. Konrad Fankhauser, fordert zielgerichtete Initiativen bei älteren Arbeitnehmern. „Zum einen gibt es in dieser Gruppe sehr oft einen Nachholbedarf was die Bildung betrifft, zum anderen wird eine Reintegration in den Arbeitsmarkt nach längerer Arbeitslosigkeit und bei gleichzeitig mangelnder Qualifikation fast unmöglich. Da sind die Unternehmen, aber auch der Staat gefordert“, meint Fankhauser.

Boombranche Weiterbildung?

Die Idee, jetzt in Weiterbildung zu investieren, stößt auf breite Sympathie. Trendforscher Matthias Horx sieht in der Weiterbildung eine Boombranche der Zukunft. Wirschaftsminister Mitterlehner forderte die Unternehmen im Hinblick auf die Lehrlingsausbildung auf, antizyklisch zu handeln, um genügend qualifizierte MitarbeiterInnen für den nächsten Konjunkturaufschwung zu haben. Der Kurier spricht von „Bildung als Bestseller in Krisenzeiten“ und beruft sich auf eine Kienbaum-Studie, wonach nur sieben Prozent der Unternehmen neue MitarbeiterInnen rekrutieren wollen, jedoch zwei Drittel planen, ihre MitarbeiterInnen zu entwickeln und an das Unternehmen zu binden.

Aber ganz so rosig ist die Situation für die berufliche Weiterbildung trotzdem nicht. Die Projekte kosten schließlich Geld und gerade dieses ist in Zeiten der Finanzkrise knapp. So hat etwa der Verband Deutscher Ingenieure in einer Umfrage erhoben, dass jedes dritte Unternehmen seine Bildungsausgaben kürzen oder gar streichen wird. Dieser Befund ist schlichtweg alarmierend: Gerade in den technischen Bereichen ist Weiterbildung für die Entwicklung von Innovationen unverzichtbar. Und Innovationen braucht die Wirtschaft jetzt besonders dringend.

Qualifizierungsoffensive für den nächsten Aufschwung

Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren im Bildungsbereich nur das Notwendigste getan, um nicht den technologischen Anschluss zu verlieren. Wer schickt schon seine MitarbeiterInnen in Schulungen, wenn sie am Arbeitsplatz benötigt werden? Die konjunkturelle Verschnaufpause sollte deshalb genützt werden, um aufgeschobene Qualifizierungsprojekte nachzuholen. Die Krise bietet auch die Chance, strategische Weichenstellungen vorzunehmen. Welche längerfristigen Unternehmensziele gibt es und welche Qualifikationen brauchen die MitarbeiterInnen, um sie erreichen zu können? Wer jetzt umfassende Weiterbildungskonzepte entwickelt und umsetzt, wird wenn die Konjunktur wieder anzieht Wettbewerbsvorteile haben.

Arbeitsmarktpolitische Ziele

Auf volkswirtschaftlicher Ebene warten zwei große bildungspolitische Baustellen darauf, in Angriff genommen zu werden. Zum einen gilt es den Facharbeitermangel zu entschärfen, der noch vor kurzem als Hemmschuh beklagt worden war. Zum anderen sollte die LLL-Strategie konsequent umgesetzt werden, um die Bildungsbeteiligung der Erwachsenen in Österreich wie geplant von derzeit rund 13 Prozent auf 20 Prozent bis zum Jahr 2012 zu steigern. Ziel ist es, das System des lebenslangen Lernens als gesellschaftliches Anliegen zu etablieren, um ältere ArbeitnehmerInnen länger im Erwerbsprozess zu halten. Denn nur so können bei ständig steigender Lebenserwartung und gleichzeitig rückgängigen Geburtsraten, die Sozialsysteme gesichert werden.

Bildungsinvestitionen fördern

Angesichts der Krise wenden sich derzeit die verschiedensten Interessensgruppen um Hilfe an den Staat. Nicht nur der Finanzsektor, sondern auch die Industrie und der Handel fordern finanzielle Unterstützung. Die Frage ist also, ob die Stimmen für die Weiterbildung laut genug sind, um gehört zu werden. Immerhin hat Bundeskanzler Faymann zumindest für den automotiven Sektor eine spezielle Bildungsförderdung durch das AMS angekündigt. „Man schafft für MitarbeiterInnen, die im Moment im Betrieb nicht gebraucht werden, die Möglichkeit der Aus- und Weiterbildung. Da werden gerade Modelle erarbeitet", sagte der Bundeskanzler. Es besteht also die Hoffnung, dass es nicht bei Worten allein bleiben wird.