NQR – Ein Meilenstein für die Weiterbildung

Mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) zur Vergleichbarkeit von beruflichen Qualifikationen wird die europäische Integration im Bildungssektor massiv vorangetrieben. Die Umsetzung in Österreich durch den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) könnte einen Modernisierungsschub für unser gesamtes Bildungssystem auslösen: Mehr Transparenz, mehr Durchlässigkeit und bessere Vergleichbarkeit. Mag. Konrad Fankhauser, Geschäftsführer Stellvertreter von die Berater® , bewertet hier die wichtigsten Aspekte des NQR aus der Sicht der berufsbezogenen Weiterbildung. Sein Urteil fällt sehr positiv aus.

Weitreichende Konsequenzen für die europäische Integration

Der EQR bildet den Bezugsrahmen für die Entwicklung von NQRs  in den EU-Mitgliedsländern. Ziel ist es, die verschiedenen Aus- und Weiterbildungssysteme innerhalb der EU zu beschreiben und Qualifikationen vergleichbar zu machen. Was sehr allgemein klingt, ist in der Tat ein revolutionärer Ansatz. Der EQR ist zwar im Kern eine Bildungsinitiative, er zielt aber auf einen durchlässigeren europäischen Arbeitsmarkt. Durch die Vergleichbarkeit von Bildungsstandards soll es einfacher werden, in einem anderen Land der Europäischen Union Arbeit zu finden.

Das richtige Ziel: Lebenslanges Lernen im Mittelpunkt

Die vollständige Bezeichnung für den EQR lautet „Europäischer Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen“. Dahinter steht das ambitionierte Ziel, eine der größten Herausforderungen für den Arbeitsmarkt in den entwickelten europäischen Ländern in Angriff zu nehmen: Durch die Verbesserung von Qualifikationen und die Förderung des Lebenslangen Lernens soll es gelingen, vor allem ältere Arbeitnehmer länger im Arbeitsprozess zu halten. Angesichts der immer stärker aus dem Gleichgewicht geratenden Alterspyramiden in den Industrieländern, besteht hier dringender Handlungsbedarf. Auch und gerade in Österreich.

Es geht um die Substanz des erworbenen Wissens

Der NQR orientiert sich bei der Vergleichbarkeit von Qualifikationen an Lernergebnissen. Es kommt also nicht darauf an, welche formalen Bildungswege man in welchen Bildungsinstitution durchlaufen hat. Entscheidend ist allein, welche Fähigkeiten und Kenntnisse man sich innerhalb oder auch außerhalb der Institutionen erworben hat.

Starker Anreiz, sich beruflich weiter zu bilden

Besonders positiv von der Warte der beruflichen Weiterbildung ist die Gleichwertigkeit berufsbezogener Kurse und Trainings mit formalen Abschlüssen. Das ist ein klares Signal dafür, dass die in der berufsbezogenen Weiterbildung erworbenen Qualifikationen breite Anerkennung in der Berufswelt in Österreich und ganz Europa finden und somit einen echten Karriereschub bedeuten können. Es zahlt sich also wirklich aus, als Erwachsener immer wieder auf die Schulbank zurückzukehren. Wer seinen individuellen Vorteil in der Weiterbildung sieht, wird eher bereit sein, sie in Angriff zu nehmen.

Das umfassend konzipierte Entwicklungsdesign des NQR sieht 3 Korridore vor

Der NQR sieht drei Korridore für die Einordnung der Qualifikationen vor, die zeigen, wie umfassend dieses Instrument angelegt ist. Korridor 1 bezieht sich auf das formale Bildungssystem, also den Schul- und Hochschulbereich. Korridor 2 klassifiziert die nicht formal erworbenen Qualifikationen, vor allem aus Erwachsenenbildungseinrichtungen. Korridor 3 sieht die Integration von Qualifikationen vor, die auf Basis von informellen Lernprozessen, durch Praxis am Arbeitsplatz, im Selbststudium oder aus Freizeitaktivitäten erworben wurden. Das heißt, der NQR ist ein System, das alle Qualifikationen einbezieht und würdigt, egal wie sie erworben wurden. Er zielt dabei auf die Bewertung von Know-how für die moderne Berufspraxis. National und international.

Das gesamte Bildungssystem ist involviert

Bei der Entwicklung des NQR wurde ein nationaler Konsultationsprozess durchgeführt, für den alle Stakeholder im österreichischen Bildungssystem ihre Stellungnahmen und Empfehlungen abgegeben haben. Der weitere Zeitplan sieht vor, dass bis Ende 2010 alle Qualifikationen des formalen Bildungssystems dem österreichischen NQR zugeordnet werden. Das formale Bildungssystem hat also zweifellos eine Pilotfunktion, aber gleichzeitig sollen erste Schritte zur Darstellung von Qualifikationen im nicht formalen und informellen Bereich gesetzt werden.

Internationale Vergleichbarkeit durch 8 Referenzniveaus

Den Bezugspunkt des NQR bilden 8 Referenzniveaus des EQR, die allgemein beschreiben, was ein Lernender auf einer bestimmten Ebene wissen und können muss. Wo und in welchem Zeitraum er dieses Know-how erworben hat, ist dabei irrelevant. Es werden also nicht Lerninhalte oder Lernwege miteinander vergleichbar gemacht, sondern Ergebnisse. Die 8 Referenzniveaus sind aufsteigend und beziehen sich jeweils auf die Dimensionen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen. Von der Warte der berufsbezogenen Weiterbildung ist dieser Raster optimal. Auch wenn die Beschreibungen sehr allgemein klingen, fokussieren sie doch recht deutlich auf die Berufspraxis.

Ein großer Wurf, aber die Mühen der Ebene kommen erst

Wir, von die Berater®, bewerten die Ziele, Ideen und das Design von EQR und NQR sehr positiv. Diese Initiative ist zweifellos ein Meilenstein für das europäische und österreichische Bildungswesen und die europäische Integration. Die detaillierte und konkrete Beschreibung der Referenzniveaus für die einzelnen Berufe, Berufsfelder und Sektoren, wird noch sehr aufwändig und mühsam werden. Hier steht uns allen noch viel Knochenarbeit bevor. Aber gerade diese Verankerung in der Praxis der Arbeits- und Berufswelt wird für den Erfolg des NQR entscheidend sein.

Die wichtigsten Vorteile des NQR

  • Die europaweite Vergleichbarkeit der Abschlüsse bringt eine Erleichterung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
  • Durch die Orientierung an Lernergebnissen, statt an Lernorten und -verläufen wird unser gesamtes Ausbildungssystem durchlässiger.
  • Neue Chancen durch berufliche Weiterbildung eröffnen sich. Lebenslanges Lernen erhält dadurch eine neue Perspektive.
  • Auch der formale Bereich der Bildung profitiert. Länder mit guten formalen Bildungsinstitutionen bekommen dies durch den Qualifikationsrahmen vergleichbar bestätigt. Sie genießen einen Standortvorteil, wenn es um die Ansiedlung von Unternehmen geht, die gut qualifizierte Mitarbeiter benötigen.
  • Auf individueller Ebene kann informell erworbenes Wissen zertifiziert werden.